Fertigfutter – was man als Hundehalter wissen muss
Fertigfutter ist der unangefochtene Marktführer in Sachen Hundefutter. Trockenfutter führt die Liste an. Sie werden in großen Maßstäben industriell produziert, um wirtschaftlichen Ertrag zu bringen und geraten unter Barfern und Selbstkochern häufig in Verruf. Aber von Vorne:
Alle Futtermittel werden in Kategorien eingeteilt. Zuallererst in Mischfuttermittel und Einzelfuttermittel. Wie der Name schon sagt bestehen Mischfuttermittel aus mindestens zwei Komponenten, die miteinander vermischt worden sind. Bei den Mischfuttermitteln gibt es nochmal eine Unterteilung: Alleinfuttermittel und Ergänzungsfuttermittel. Der Hersteller garantiert bei Alleinfuttermitteln dafür, dass alle Nährstoffe, die der Hund zur Deckung seines Grundumsatzes braucht, enthalten sind. Bei Ergänzungsfuttern ist das nicht der Fall.
Fertigfutter aus einer Komponente werden Einzelfuttermittel genannt. Ein Beispiel dafür sind Reinfleischdosen, die man selbst noch ergänzen muss.
In der Praxis werden Einzelfuttermittel häufig durch die Kategorie des Einzelfuttermittels ersetzt, daher kommen Inhaltsangaben wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ und ähnliches.
„Da ist ja nur Abfall drin“, „Da werden kranke Tiere verarbeitet“, sind häufig Aussagen von Fertigfutterkritikern. Rechtlich gesehen dürfen nur Tiere der Kategorie 3 ((EG) 1772/2002) in Hundefutter verarbeitet werden. Das sind Schlachtnebenprodukte und Stücke von Schlachttieren, die nicht für den menschlichen Verbrauch verkauft werden, Blut und gestresste Tiere. Das Problem, das ich tatsächlich sehe, ist aber: Was da verarbeitet wurde.
Die Deklaration soll uns Aufschluss darüber geben, welche Bestandteile denn verarbeitet wurden. Mit „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann man da nicht viel anfangen. Werden nur die Kategorien der Einzelfuttermittel aufgezählt spricht man von einer geschlossenen Deklaration. Wird näher darauf eingegangen (zB mit Prozentangaben) dann handelt es sich um eine offene Deklaration.
Die Herstellung
Sind alle Komponenten festgelegt, geht es weiter in die Produktion. Bleiben wir vorerst beim Nassfutter. Damit der Platz in der Endverpackung optimal ausgenutzt werden kann werden Fleischstücke zerkleinert. Je nachdem, welche Zielgruppe der Hersteller ansprechen möchte unterschiedlich fein. Restliche Komponenten werden mit dem Fleisch vermengt, Vitamine und sonstige Zusätze (Mineralstoffe, Aminosäuren) kommen noch hinzu. Ist alles gut vermischt, kann sich der Hersteller zwischen einer Kaltabfüllung und einer Heißabfüllung entscheiden. Wird die Masse nun gekocht und anschließend in die Verpackung gefüllt spricht man von der Heißabfüllung, wird die Masse nicht gekocht und direkt in die Verpackung gefüllt handelt es sich um eine Kaltabfüllung.
In beiden Fällen wird das Futter jetzt autoklaviert. Dabei werden durch Überdruck und starkes Erhitzen Mikroorganismen abgetötet und das Futter wird haltbar. So ähnlich funktioniert auch das Einkochen, nur professionell und im großen Maßstab.
Bei Trockenfutter gibt es mehrere Herstellungsmethoden. Den Löwenanteil am Markt macht das extrudierte Trockenfutter aus. Dabei werden pflanzliche, stärkehaltige Bestandteile soweit aufgeschlossen, dass sie Gele bilden und die Masse die Konsistenz eines knetbaren Teigs bekommt. Der Teig wird dann durch Düsen gepresst und die kleinen Trockenfutterstückchen noch weiter getrocknet, bis sie den gewünschten Feuchteanteil haben. Da bei der Herstellung nur wenig Fett verwendet wird, wird extrudiertes Trockenfutter nach dem Trocknen noch mit Fett besprüht, um den Fettgehalt zu erhalten, der gebraucht wird. Durch den Herstellungsprozess hat extrudiertes Trockenfutter eine raue Oberfläche, in der sich Milben bei längerer Lagerung sehr wohl fühlen. Deshalb kommt es bei diesem Futter bei Allergikern häufig zu Problemen. Sind einmal Milben drauf, bringt ein Einfrieren leider auch nichts mehr.
Eine andere Herstellungsmethode ist das Pelletieren. Das kennt man eher von der Fütterung von Pferden und Kühen (Heucobs). Im Handel findet man es häufig unter „kaltgepresstem“ Trockenfutter. Damit Keime, insbesondere Salmonellen, abgetötet werden, muss das Futter während der Verarbeitung trotzdem auf mindestens 70 Grad für 10 Minuten erhitzt werden. Die Oberfläche von pelletiertem Trockenfutter ist glatt, was die Lagerung etwas einfacher macht.
Eine sehr neue und leider sehr teure Herstellungsmethode ist das Gefriertrocknen. Bei tiefen Temperaturen und im Vakuum wird Wasser sublimiert. Bei der Sublimation wird ein Aggregatzustand „übersprungen“ und das Wasser geht vom festen direkt in den gasförmigen Zustand über. Dabei wird nichts denaturiert und auch keine Vitamine zerstört. Eine wirklich tolle Methode! Wirtschaftlich gesehen macht es aber in den wenigsten Fällen Sinn, da dieses Verfahren mit hohen Kosten verbunden ist und niemand Unsummen für Hundefutter ausgeben möchte. Man findet aber mittlerweile sehr häufig gefriergetrocknete Leckerlies und ab und an auch schon sogenanntes „Trockenbarf“, welches auch durch Gefriertrocknung hergestellt wurde.
Vorteile und Problematiken
Fertigfutter ist im Vergleich zu anderen Fütterungsmethoden bestimmt eine einfache Lösung. Lange haltbar, unkompliziert in der Handhabung und der Hund hat alles, was er braucht. Aber stimmt das? Dazu muss man rechnen und den Bedarf des Hundes kennen. Beurteilen und Vergleichen kann man Fertigfutter anhand der enthaltenen Nährstoffe in der Trockenmasse. Auch dafür ist ein bisschen Rechnerei notwendig, aber nichts wofür man einen Doktor in Mathematik brauchen würde.
Ein Fertigfutter – egal ob trocken oder nass – orientiert sich nicht an individuellen Bedürfnissen. Wie wir bei der Schilddrüse gesehen haben, treffen viele Fertigfutter nicht einmal allgemein gültige Bedarfswerte (nach NRC). Iod ist da leider nicht das einzige, was Probleme machen kann.
Was mich persönlich sehr stört ist, dass man keine Freiheit hat. Füttert man ein Futter mit Brennessel, ist da jeden Tag Brennessel drin. Wenn ich sie nicht mehr drinnen haben möchte (Brennessel ist eins der Kräuter die NICHT dauerhaft gegeben werden sollten) kann ich höchstens das Futter umstellen.
Aber was kann man denn nun füttern? Was ist aus Ernährungsberatersicht vertretbar?
Eine allgemein gültige Empfehlung kann man nicht abgeben. Es gibt keine Marke, die ich zurzeit allgemein mit gutem Gewissen empfehlen kann und keine Fütterungsmethode, die für jeden Hund und jeden Menschen funktioniert. Zum Kauf ist aber zu sagen, dass nicht der Hund, sondern der Mensch kauft und man sich gerne von Verpackung und Slogans leiten lässt.
Wenn ihr aktuell ein Fertigfutter füttert und euch nicht sicher seid, ob das der richtige Weg ist euren Hund dauerhaft gesund zu erhalten kann ich euch nur ans Herz legen, es von einem Experten durchrechnen zu lassen. Ich würde mich nicht auf Versprechen vom Hersteller verlassen und immer selbst überprüfen was dahintersteckt.
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30. November 2020